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Die Hintergründe der polnischen Anti-Bitcoin-Kampagne


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Anfang der Woche berichteten wir bereits von der grotesken „Aufklärungskampagne“ der polnischen Zentralbank auf Youtube. Das Video, das vor den Gefahren der Krypto-Investitionen warnen soll, hat hohe Wellen geschlagen. Nun wollen wir genauer auf die Hintergründe und Motive des Videos und die Einstellung von Polen gegenüber Kryptowährungen schauen.

Bis das kontroverse Youtube-Video zur Warnung vor den Gefahren der Kryptowährungen das Licht der Welt erblickte, hat sich Polen mit seiner Meinung über Bitcoin & Co. eher neutral bis positiv gezeigt. 2013 meinte ein Beamter des polnischen Finanzministeriums nüchtern: „Was nicht verboten ist, ist erlaubt.“ Bitcoin könne seiner Meinung nach aber nicht als legale Währung betrachtet werden. Zwei Jahre später teilte das polnische Finanzministerium mit:

„Jede Regulierungsmaßnahme, die sich mit den Problemen des Handels mit virtuellen Währungen befasst, sollte im Hinblick auf den grenzübergreifenden Charakter dieser Geschäfte entweder als Ergebnis von Initiativen auf EU-Ebene getroffen werden oder aufgrund von Unregelmäßigkeiten auf dem Kryptomarkt.“

Im Februar 2015 beurteilte der CCO der polnischen Kryptowährungsbörse Bitcurex, Filip Godecki, die Haltung der Regierung als neutral. Seiner Meinung nach würden die Institutionen zurückhaltend abwarten, was genau auf sie zukäme. Zwar gibt es nach wie vor keine expliziten Regulierungsmaßnahmen, im Februar 2017 wurde der Handel mit Kryptowährungen in Polen dennoch offiziell anerkannt. Kurz darauf gab die Regierung bekannt, die Digitalisierung des nationalen Kryptowährungsmarktes unterstützen zu wollen. Zudem sollten Start-ups gefördert werden, damit sie sich auf dem Markt etablieren können. Dazu wurden mehrere Programme zur Förderung der Blockchain-Technologie ins Leben gerufen, z. B. das Programm “Blockchain / DLT Stream and Digital Currencies” des Ministeriums für Digitalisierung. Nicht verwunderlich daher, dass sich viele Kryptowährungsunternehmen über die Jahre hinweg in Polen ansiedelten.

Totale Kehrtwende?

Aufgrund dieser Maßnahmen könnte man denken, dass Polen das Potential von Kryptowährungen erkannt hat und eine Pro-Haltung gegenüber Kryptowährungen einnehmen will. In diesem Kontext überrascht das von der Nationalbank finanzierte Anti-Bitcoin-Video. Dieses hatte in der Community hohe Wellen geschlagen. Zum einen wurde es nicht als gesponsertes Video gekennzeichnet, die Finanzierung durch die polnische Zentralbank wurde erst nachträglich aufgedeckt. Zum anderen soll es angeblich vor den Gefahren warnen, die mit Investitionen in Kryptowährungen einhergehen. Allerdings kann die Art und Weise des Videos vielmehr als verleumderisch angesehen werden und nicht als lehrreichen Hinweis. Im Zuge der vorangegangenen Schritte in Richtung eines krypto-freundlichen Polens stellt sich nun die Frage, was das Land nun wirklich will. Auf der Website der polnischen Nationalbank (NBP) wird weiterhin darauf hingewiesen, dass Kryptowährungen keine echten Währungen oder gesetzliche Zahlungsmittel sind.

Stellungnahme der Nationalbank

Das polnische Nachrichtenportal Doradca.tv hat sich direkt an die NBP gewandt und nach den konkreten Beweggründen für die Kampagne gefragt. Folgende Antwort haben sie erhalten:

„Das Ziel der Kampagne ist es, vor den Risiken zu warnen, die mit Investitionen in virtuelle Währungen verbunden sind, die den Nutzern bewusst sein sollten, bevor sie sich entscheiden, ihre Ersparnisse zu investieren.“

Nachdem diese Risiken lang und breit erläutert werden, setzt die NBP hinzu:

„Zugleich möchten wir betonen, dass die NBP nicht gegen die Entwicklung und Nutzung der Blockchain-Technologie ist, aber der Einsatz dieser Technologie auf dem Finanzmarkt muss sicher und zuverlässig sein, wie es der Fall mit anderen Technologien ist.“

Die Art und Weise wie die NBP warnen wollte, lässt diese Aussage in zweifelhaftem Licht erscheinen. Es scheint das Anliegen vieler Nationalbanken zu sein, potentielle Investoren vor den Risiken der Kryptowährungen zu warnen. Doch das Anti-Bitcoin-Video der NBP hat vor allem Empörung in der Krypto-Community ausgelöst. Somit ist es fraglich, ob hier der eigentliche Zweck der Kampagne erfüllt wurde.

BTC-ECHO

Über Tanja Giese

Tanja GieseTanja Giese ist seit August 2017 als Lektorin für BTC-ECHO tätig und schreibt seit Oktober 2017 auch eigene Artikel. In Potsdam hat sie Germanistik, Literaturwissenschaft und Philosophie studiert und mit dem Magister abgeschlossen. Berufliche Erfahrungen hat sie vor allem in Start-ups und einer Digitalagentur gesammelt. Im Fokus ihres Interesses an der Krypto-Welt steht der gesellschaftliche Nutzen und der Umgang der Politik mit den Veränderungen, die der Vormarsch der Kryptowährungen fordert.





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